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1. Gerald Stourzh-Vorlesung zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie

Martin van Gelderen
Menschenrechte und Demokratie:
James Madison, Hugo Grotius und die Probleme des neuen Europa

27. Mai 2009

Martin van Gelderen ist Professor für Europäische Geschichte am European University Institute in Florenz und vertritt dort die Ideengeschichte und die Geschichte des Politischen Denkens, insbesondere Naturrechtstheorien und republikanische Traditionen in Europa. Gemeinsam mit Quentin Skinner leitet er das Projekt Freedom and the Construction of Europe: New Perspectives on Philosophical and Religious Controversies.

Wichtigste Veröffentlichungen: The Political Thought of The Dutch Revolt, 1555-1590 (Cambridge University Press 1992); Hg. mit Quentin Skinner: Republicanism. A Shared European Heritage, 2 Bde. (Cambridge University Press 2002); Hg. mit Georg Schmidt und Christopher Snigula: Kollektive Freiheitsvorstellungen im frühneuzeitlichen Europa (1400-1800) (Peter Lang Verlag 2006).

Homepage von Martin van Gelderen
(seit 2012 Univ. Göttingen)

Abstract

Der Vortrag untersucht die Debatten über die Zukunft von Menschenrechten, Bürgerrechtskonzeptionen und Demokratie in der Europäischen Union. Ausgangs- und wiederkehrender Referenzpunkt sind ein historischer Spiegel praktischer Philosophie sowie die Schriften von Hugo Grotius und James Madison. Aus einer republikanischen Perspektive unterstreicht der Beitrag, dass die Europäische Union in ihrer jetzigen verfassungsrechtlichen Form den Idealen demokratischer Regierung nicht gerecht wird. Die Skizze einer zukünftigen 'engeren' Europäischen Union im Sinne einer von Europas Bürgerinnen und Bürgern konstituierten Union folgt dem Argument von Grotius, dass die Zivilgesellschaft aus dem Zusammenschluss freier, sich selbst regierender Individuen erwachse. Doch um zu überleben, muss die Europäische Union Mittel und Wege finden,  durch welche sich die Volkssouveränität ausdrücken kann. Besonders interessant erscheint hier James Madisons Plädoyer für die politische Vorherrschaft der öffentlichen Meinung. Zuletzt nimmt der Beitrag die Gefahr ernst, dass die Betonung des Konzepts einer europäischen Bürgerschaft die Vorstellung einer exklusiven 'Festung Europa' heraufbeschwöre. So wird hier vorgeschlagen, die Rechte der 'Anderen' zu überdenken. Besonders fruchtbar und differenziert erscheint der historische Blick auf frühneuzeitliche Debatten über das Immigrationsrecht von Bettlern und Vagabunden.

Thomas Angerer
Birgitta Bader-Zaar
Margarete Grandner

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