12. Gerald Stourzh-Vorlesung zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie

Wolfgang Schmale
In der Krise, in der Kritik: die »Aufklärung« und demokratische Identität im 20. und 21. Jahrhundert

16. November 2021

Mit dieser Vorlesung verabschiedet sich Wolfgang Schmale als ordentlicher Professor für Geschichte der Neuzeit am Institut für Geschichte der Universität Wien, wo er seit 1999 als Nachfolger von Gerald Stourzh lehrt und mit Ende des Sommersemesters emeritiert. Wolfgang Schmale ist u.a. Mitglied der Academia Europaea sowie der European Academy of Sciences and Arts. Neben seinem Forschungsinteresse an europäischer und speziell französischer Geschichte, Men’s studies und digitaler Geschichtswissenschaft/Digital Humanities gehört die Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie zu seinen besonderen Schwerpunkten in Forschung und Lehre.

Ausgewählte Veröffentlichungen zur Geschichte der Menschenrechte und der Demokratie: L’An I des droits de l’homme (mit Antoine de Baecque und Michel Vovelle, CNRS Editions, 1988); Hg., Human Rights and Cultural Diversity (Keip, 1993); Archäologie der Grund- und Menschenrechte in der Frühen Neuzeit. Ein deutsch-französisches Paradigma (Oldenbourg, 1997); The Emergence of Human Rights in Europe. An Anthology (Mithg., Council of Europe, 2001); Privatheit im Digitalen Zeitalter (mit Marie-Theres Tinnefeld, Böhlau, 2014); Human Rights Leagues in Europe 1898-2016 (hg. mit Christopher Treiblmayr, Franz Steiner Verlag, 2017); For a democratic “United States of Europe” (1918-1951). Freemasons – Human Rights Leagues – Winston S. Churchill – Individual Citizens (Franz Steiner Verlag, 2019).

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Abstract

Wenn es um demokratische Identität geht, wird »die Aufklärung« im 21. Jahrhundert global referenziert. Einerseits ist im Zuge der Dekolonisierung des Denkens die Kritik an »der Aufklärung« so intensiv und breit wie seit Horkheimers und Adornos Dialektik der Aufklärung (1942-1944 entstanden) nicht mehr. Andererseits brechen die Rufe nach einer Erneuerung »der Aufklärung« nicht ab. Im Vortrag wird der historischen Frage nachgegangen, wie der breit angenommene Nexus zwischen »der Aufklärung« und demokratischer Identität zustande kam und wie er sich gegen fundamentale Kritik behaupten konnte und kann. Dabei wird eine globalgeschichtliche Perspektive verfolgt, die mit der Konstruktion »der Aufklärung« verwoben ist. Die Formulierung im Titel "in der Krise" verweist auf historische Krisensituationen seit dem späten 19. Jahrhundert, in denen »die Aufklärung« referenziert wurde, "in der Kritik" verweist auf die Kritiken an »der Aufklärung«, die nie abbrachen, aber ständig die Richtung wechselten. Wie sollen »wir« im 21. Jahrhundert mit »der Aufklärung« umgehen? Am Ende des Vortrags soll versucht werden, darauf eine Antwort zu geben.